Tomaten selbst ziehen: Die besten Tipps zum Anbau

Tomaten Samen und Pflänzchen

|Werbung| Seit einigen Jahren gibt es bei uns im Gewächshaus statt Hybrid-Tomaten samenfeste bio Tomaten. Was das besondere am samenfesten Saatgut der Gärtnerei Herb ist und was man bei der Anzucht beachten soll, verrät uns heute Eva-Maria Herb im Experten Interview.

 

Das Geschäft mit Saatgut

Als Kind habe ich es oft versucht: Aus einer Frucht oder aus Gemüse Samen entnehmen und einpflanzen, um zu sehen, was daraus wächst. Leider oft gar nichts oder kranke, wenig ertragreiche Pflanzen. Denn Obst und Gemüse aus dem Supermarkt stammen von Hybridpflanzen. Hybridsaatgut weist bei der ersten Aussaat sehr hohe Erträge und meist gute Robustheit gegenüber Krankheiten auf. Möchte man das Saatgut aber aus den Früchten für das kommende Jahr entnehmen, entstehen daraus sehr schwache, wenig ertragreiche Pflanzen. Dies führt automatisch zu einer Abhängigkeit gegenüber dem Saatgutverkäufer. Das Monopol haben auf diesem Gebiet weltweit die drei “Bigplayer” Monsanto(Bayer), DuPont und Syngenta. Es gibt Patente auf das vertriebene Saatgut, sodass jeder, der diese Sorten vermarkten möchte, von den genannten Firmen abhängig ist. Dagegen setzten sich Bio Gärtner ein, die auf samenfeste Sorten setzen. Auf den Packungen kann man Slogans wie “Saatgut ist Kulturgut” lesen. Samenfest bedeutet, dass auch die Tochtergeneration einen gleich guten Ertrag und eine gleichwertige Robustheit wie die Elterngeneration aufweist. Die Abhängigkeit gegenüber des Saatgutverkäufers ist somit deutlich geringer.

 

Bio Gärtner mit Leidenschaft

Wie auch ihr ertragreiche, gesunde Tomatenpflanzen selbst anbauen könnt, verrät heute Eva-Maria Herb von der Bio Gärtnerei Herb in Kempten. Ich beziehe schon seit Jahren Saatgut von den Herbs und versuchte mich letztes Jahr mit Erfolg an der ersten Samenentnahme. Die ersten eigenen Pflänzchen gedeihen schon. Bei der Aussat von Tomaten gibt es allerdings einiges zu beachten. Auch ich machte am Anfang viele Fehler und bekanntlich lernt man nie aus… Die besten Tipps & Tricks erfährt ihr im Interview!

 

Tomatensamen von der Bio Gärtnerei Herb
Meine Lieblingssorten der Bio Gärtnerei Herb.

 

Interview mit Eva-Maria Herb, Gartenbauingenieurin B.Sc.

 

Welche Ihrer Tomatensorten eignen sich besonders für Anfänger?

Es gibt sehr ‘pflegeleichte’ Sorten, die z.B. nicht gegeizt werden müssen und sehr Braunfäuletolerant sind: z.B. Schmucktomate, Humboldii oder die Wildtomate Johannisbeertomate (die Früchte sind nur Johannisbeeren groß, die Pflanze wächst aber wie Unkraut)

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Aussat, wenn man ins Gewächshaus bzw. Draußen pflanzen möchte?

Der optimale Zeitraum liegt zwischen Anfang Februar und Mitte/Ende März- abhängig davon, was man für einen Lagerplatz für die Tomaten besitzt – Tomatensämlinge mögen es die ersten 3-4 warm (15°C) und dann kühler (<10°C) und sehr hell. Wenn man diesen kühlen aber hellen Platz nicht in der Wohnung hat, sollte man die Tomaten erst später aussäen und sie dann Mitte bis Ende April ins geschützte Freiland stellen. Wenn man ein Gewächshaus hat, kann man die Tomaten schon früher ansäen und Anfang April mit Frostwächter ins Gewächshaus.

Wieso benötigt man Anzuchterde?

Anzuchterde ist sehr nährstoffarm bzw. ungedüngt. Wenn normale Pflanzerde verwendet werden würde, besteht die große Gefahr, dass die feinen Wurzeln der Setzlinge verbrennen oder der Samen gar nicht richtig keimt.

Wie viel Grad Celsius sind zur Anzucht Ideal/Wie sieht der perfekte Standort aus?

3-4 Tage zur Keimung 22-25°C, dann 15°C und hell für 3-4 Wochen (bis die Pflanzen deutlich wachsen), dann kühl unter 10°C weiterhin sehr hell

Sollte man die Töpfe vor der Keimung abdecken/ein Zimmergewächshaus verwenden?

Aussaaten immer abdecken, wir decken mit Vermiculite ab, ein aufgeschäumtes 3 Schicht-Tonmineral. Es ist Lichtdurchlässig und hält das Wasser besser als z.B. Sand und verschlämmt nicht wie Erde. Das Zimmergewächshaus ist für die ersten Tage zur Keimung sinnvoll, dann aber zu feucht und zu warm.

Wie bewässert man die Pflänzchen schonend? Sollten die Blätter benebelt werden?

Die Erde sollte immer feucht sein, mit dem Brausenkopf der Gießkanne gießen. Blätter auf keinen Fall nebeln, nach der Bewässerung sollte für eine gute Durchlüftung gesorgt werden, damit die Blätter abtrocknen können. Das beugt Pilzerkrankungen wie Braunfäule und Samtfleckenkrankheit vor.
Der Gießzeitpunkt ist morgens optimal.

 

Wie verhindert man, dass die Setzlinge vergeilen,
sprich in die Höhe schießen?

Hell und kühl kultivieren. Je heller desto besser und je kühler nach ein paar Wochen, desto besser.

 

Benötigen die Setzlinge Dünger?

Ja, aber nicht direkt nach der Aussaat. Es bietet sich an, in die Aussaaterde ein wenig Hornmehl zu mischen ca. 1 TL auf 15l. Dieser löst sich erst, wenn die Pflanzen etwas größer sind – wernn also keine Gefahr mehr des Verbrennens der Wurzel besteht.

 

Ab wann darf man ins Freie bzw. ins Gewächshaus pflanzen?

Ins Gewächshaus mit Frostwächter und selbst gebauter Grablicht-Tontopfheizung ab Anfang April. Ins Freiland: An der Hauswand, eventuell mit Fließschutz ab Ende April. Ansonsten ab Mitte Mai nach den Eisheiligen. Aber das ist natürlich auch immer Witterungsabhängig – Wenn es richtig kalt ist – abwarten bis zur nächsten Wärmeperiode.

Welche Tomatensorten eignen sich für eine Pflanzung in Töpfen?

Bei der richtigen Topfgröße alle! Für Balkonkästen gibt es die Rubrik ‘Balkontomaten’ wie ‘Fuzzy Wuzzy’ und Rotkäppchen. Die mit 1-3 l Erde pro Pflanze auskommen. Cocktailtomaten und normale Tomaten brauchen mind. 15-20l und bei Fleischtomaten gilt: Je mehr – desto besser der Ertrag! Mindestens aber 20l besser 30-45. Wir pflanzen unsere Tomaten in Mörtelwannen, immer zwei Pflanzen in Wannen à 90l. Da ist der Ertrag mit denen im Boden gewachsenen gut vergleichbar.

 

Was ist das Besondere an alten, samenfesten Sorten?

Der Geschmack, dass jede Tomate irgendwie ein wenig anders schmeckt und so unglaublich gut! Die Vielfalt in Form, Farbe und Größe. Und natürlich, dass die Sorten keinem Großkonzern gehören, man diese selbst wieder nachziehen kann und sich so eine eigene Sammlung anlegen kann.

 

Auf ins neue Gartenjahr!

Ich hoffe, dass ihr im Interview mit Eva-Maria Herb ganz viele Antworten auf eure Fragen, Tipps & Tricks gefunden habt! Ich kann es jedem nur ans Herz legen, sich an die Tomatenanzucht heranzutrauen & wünsche euch ganz viel Erfolg! Wer sich immer noch nicht sicher ist: Bei der Bio-Gärtnerei Herb kann man auch schon herangezogene Tomatenpflanzen bestellen!

 

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